im Herzen des Burgund

Die Domaine Comte de Vogüé verfügt nicht nur über eine 600-jährige Tradition,
sondern über Anteile an den besten Terroirs der Côte de Nuits.

Die drei wohl berühmtesten Grand-Cru-Lagen dieser Welt befinden sich auf einem kleinen Fleckchen Erde in Sichtweite: Romanée-Conti, La Tâche und Musigny. An der letztgenannten Appellation hat die Domaine Comte Georges de Vogüé einen Anteil von 7,2 ha (70 % der Gesamtlage). Jährlich werden ca. 10.000 Flaschen mit diesem „Herzblut“ gefüllt. Es gilt als elegant und komplex und weniger vordergründig. Musigny zeichnet sich, wie auch Les Amoureuses (Mini-1er-Cru- Lage, an der das Gut gerade mal einen halben Hektar besitzt), durch eine poröse, kreide haltige Kalkschicht (Drainage!) aus und liegt geographisch genau über der großen Lage Clos de Vougeot, die jedem Burgund-Reisenden durch das gleichnamige Schloss aus dem 12. Jahrhundert ins Auge fällt.
An der Grand-Cru-Lage Bonnes-Mares hat das Weingut einen Anteil von 2,5 ha (1/8 der Gesamtfläche). Die Bodenstruktur ist hier, obwohl geographisch sehr nahe, ganz anders (brauner Lehmboden). Hier sollten daher eher Frucht und Saftigkeit den Wein bestimmen.

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Tradition.pur
Die Geschichte der im Familienbesitz befindlichen Domaine geht zurück bis 1450 (Wein wurde schon früher dort angebaut); sie trägt seit ca. 250 Jahren durch Einheirat den heutigen Namen, gelangte aber erst unter Georges de Vogüé, der die Domaine 52 Jahre führte, zu Weltruhm. Nach seinem Tod 1987 folgten, bis heute unverändert, die beiden Enkeltöchter Claire de Causans und Marie de Ladoucette nach. Das Weingut ist im Zentrum von Chambolle-Musigny (direkt hinter der Kirche) gelegen und verfügt noch über einen wunderbaren historischen Gewölbekeller aus dem 15. Jahrhundert. In der Literatur ist die Rede von erheblichen Qualitätsproblemen in den 1960er und 1970er Jahren. Die von mir verkosteten Weine 1978 ff. zeigen bereits ein anderes Bild und befinden sich im Olymp burgundischer Finesse. Seit 1986 ist François Millet technischer Direktor und Kellermeister, Eric Bourgogne folgte 1996 als Weingarten-Manager. Die jahrzehntelange Kontinuität ergänzt der kaufmännische Direktor Jean-Luc Pépin.

Wine.making
Das Weingut konzentriert sich auf die Erzeugung höchster Qualität in wenigen Spitzen-Lagen der Heimatgemeinde Chambolle-Musigny (300 Einwohner, 750 Hektar, 2 Grand-Cru-Lagen, 25 1er-Crus). Da das Weingut hinter ganz wenigen Erzeugern die höchsten Preise des Burgund erzielt, kann es sich es auch leisten, in allen Details kompromisslose Qualitätsmaßstäbe anzulegen. Beispielhaft sei nur erwähnt, dass neu ausgepflanzte Weinstöcke 25 Jahre lang (!) nicht in die Top-Weine gefüllt werden, obwohl dies nach den Vorschriften nur drei Jahre notwendig wäre. François Millet ist der Meinung, dass nur ältere Pflanzen die gewünschte Qualität liefern. Die Maxime des Gutes ist, den Ausdruck des besonderen Terroirs unverfälscht in die Flasche zu bekommen, wobei die besonderen Bedingungen eines jeden Jahrganges „erwünscht“ sind und nicht ausgeglichen werden sollen. Der Holzeinsatz wird jährlich entsprechend abgestimmt, um ein „too much“ zu verhindern. Vor einigen Jahren entschloss sich das Weingut (in Anlehnung an andere Top-Weingüter wie Domaine Romanée Conti), „non-officially“ (also nicht zertifiziert) biologische Weine zu ziehen. Eine Zertifizierung ist allerdings nicht geplant, da die Möglichkeit offenbleiben soll, bei besonders schwierigen Bedingungen entsprechend angemessene Maßnahmen einzuleiten („lutte raisonnée“).

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De Gustibus …
Über die Domaine wurde viel publiziert, wobei manches seltsam anmutet. So liest man, dass Georges de Vogüé der „Bordeaux“ des Burgund sei und sich diesem auch im Geschmacksprofil annähere. Abgesehen davon, dass manche Jahrgänge „saftiger“ wirken als üblich und manche Weine verhältnismäßig „mächtig und ausladend“ sind (1990!), kann ich das nicht nachvollziehen. Interessanter ist die Frage nach einem Stilwechsel. Manche Autoren wollen einen solchen in den 1990er Jahren geortet haben. Diesbezüglich habe ich Monsieur Pépin um Stellungnahme ersucht. Er stellte definitiv klar, dass das „Winemaking“ in den vergangenen Jahrzehnten (!) gleichgeblieben sei. Verantwortlich für Geschmacksveränderungen seien die Wetterkonditionen. Diese seien kapriziöser und unvorhersehbarer geworden. Hier sollte man vielleicht ergänzen, dass auch das Klima generell wärmer wurde. Ich stelle zwischen den meist feinwürzigen und manchmal sogar fast filigran anmutenden Weinen bis zum Anfang der 1990er Jahre durchaus einen Unterschied zum Geschmacksprofil der Weine ab 1996 ff. fest. Die jüngeren Flaschen wirken insgesamt mächtiger, tanninintensiver und süßer.

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Die Verkostung der Grand-Cru-Lage Musigny kann als glorreich bezeichnet werden. Die „schlechteren“ Proben waren immer noch im „Outstanding“-Bereich angesiedelt, nur 1982, 1988, 1994 und wohl auch 2001 finden sich meines Erachtens darunter. Am High-End gibt es fantastische Überraschungen bei kleineren Jahrgängen (1979, 1991, 1992); um die Krone „matchen“ sich 1985 und 1990 (je nach Flaschenverfassung). Hier sind wir auch bei einem wichtigen Punkt angelangt: Es gibt keine guten alten Weine; es gibt nur gute alte Flaschen. Diesen Grundsatz muss man vor allem bei Burgundern anwenden und es sind, je nach Herkunft und Lagerung, allenfalls auch nach Füllung, durchaus große Unterschiede zwischen Flaschen desselben Jahrganges zu orten.

Bonnes-Mares
Enttäuschend verlief die Verkostung dieser berühmten Lagenweine, wobei mehrere Weine aus derselben Charge (Gottardi-Flaschen!) geöffnet wurden, von denen mehr als die Hälfte korkte. Hier meinte Jean-Luc Pépin auf Nachfrage, dass er dafür keine Erklärung habe, es für das Weingut allerdings selbstverständlich sei, dass korkende Flaschen, sofern sie vom Händler eingeliefert werden, ersetzt würden. Von den nicht fehlerhaften Proben war nur 1996 ausgezeichnet; allerdings gefiel mir derselbe Lagenwein von Dominique Laurent besser. Der Vergleich mit anderen Erzeugern der Lage Bonnes-Mares verlief für Comte Georges de Vogüé vor allem beim Jahrgang 1999 nicht günstig. Hier waren die Produkte von Girardin sowie Robert Groffier Père & Fils für mich weit vorne, wobei die beiden Proben überhaupt am obersten Podest burgundischer Finesse zu platzieren sind. In den vergangenen zwanzig Jahren wurde die Leistungsdichte im Burgund deutlich höher und es gibt eine namhafte Anzahl von hervorragenden Erzeugern. Konkurrenz belebt die Qualität, auch in der (schönen) neuen Weinwelt. Aus einer früheren Probe habe ich eine fulminante, wirklich großartige Flasche 1985er Vogüé in Erinnerung, die aus einem perfekten Keller stammte. Dieser Wein war als einziger einem großen Musigny aus demselben Hause ebenbürtig. Sonst gilt die Maxime: Wenn Sie sich einen Georges de Vogüé leisten wollen, dann greifen Sie zum Musigny und gönnen Sie ihm mindestens 15 Jahre Flaschen reife! Ceterum censeo vinum non delendam esse.

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Domaine Comte de Vogüé.pur

„Wolfgang Kiechl hat die „Musigny Vieilles Vignes“-Horizontale 1978 bis 2001 am 30. September 2016 im „Le Ciel“ in Wien verkostet (Organisator: Martin Buttinger, www.vin.at). Die Bonnes-Mares-Weine verkostete er am 11. November 2016 im Wiener Restaurant Schnattl (Organisator: Martin Buttinger); bei den Burgundern der Lage Bonnes-Mares wurden Vergleichs-Weingüter in eine separate Kostnotiz aufgenommen.“

MUSIGNY GRAND CRU VIEILLES VIGNES

1978 Musigny Vieilles Vignes
Sehr reif: Malzig, Blut-Süße. Tertiäre Anklänge nach Laub. Trotzdem wirkt die Textur noch nicht verbraucht (Säure!). Ein Verkoster meinte, der Wein sei wie eine reife, kundige Mätresse!

1979 Musigny Vieilles Vignes

Was für ein fantastischer, reifer Burgunder! Frucht nach Sauer kirsche und Berberitze. Frisch, lebendig, mineralisch, dabei fast leichtgewichtig. Kraft ist nicht alles. Jugendlicher als 1978!

1982 Musigny Vieilles Vignes

Frucht verwaschen. Extrem reif. Kompottig. Tertiäre Aromen nach Laub. Legt im Glas aber eher zu. Nicht elegant, aber spannend.

1983 Musigny Vieilles Vignes

Karamellig! Dezente Süße. Orangenzesten. Hohe Viskosität. Ein sehr beachtlicher, reifer Trinkgenuss!

1985 Musigny Vieilles Vignes

Für mich einer der besten Weine der Serie (98 Punkte). Jahrgangstypisch sehr mürbe, elegant und feinziseliert. Großartige Pflaumen-Würze. Florale Wolken. Ein toller, süßer Kern. Integrative, zarte Tertiäraromen (Leder, Tabak). À la pointe!

1986 Musigny Vieilles Vignes

Sehr stimmig: Kräuter-Würze. Pflaumen-Frucht, Kumquat. Komplex, elegant, leichtfüßig und dabei noch ausreichend dicht.

1988 Musigny Vieilles Vignes
Die Tannine wirken etwas „ruppig”, machen den Wein in Kombination mit der Säure allerdings lebendiger. Die Frucht ist für das Alter noch keck. Rotbeerig, etwas dünn.

1989 Musigny Vieilles Vignes

Erstaunlich prägnante Frucht für das Alter: Schöne Sauerkirsche! Solide Säure. Druckvoll, wenn auch nicht auffallend elegant.

1990 Musigny Vieilles Vignes

Probe September 2016: Diesmal leider eine schwächere Flasche. Fast aufdringliche Küchenkräuter. Starker Feuerstein-Ton. Am Gaumen besser. Sehr schöne (klebrige) Tanninstruktur am Punkt. Später auch süß, aber nicht so herrlich schokoladig wie zuletzt. Auch die Frucht ist zu sehr im Hintergrund. Hier „nur“: 94 – 95 Punkte.
Probe März 2015: Viel elegantere Flasche und deutlich besser als die obige Probe. Differenzierteste, feine Würze. Herrliche Wacholderbeere, dabei exotisch. Am Gaumen tolle schokoladige Süße. Zartkirschige Frucht. Perfekt am Punkt. Hier gibt es nichts zu verbessern. Grandios! (100 Punkte)

1991 Musigny Vieilles Vignes

Eine echte Überraschung. Schönes Rückgrat aus ausreichend reifen Tanninen und Säure. Blutorange. Salzig. Schokoladig, süße Transzendenz. Ein echtes Trinkvergnügen und ein Geheimtipp!

1992 Musigny Vieilles Vignes
Schöne, kühle Aromatik. Jugendliche Frische. Adstringierende Tannine, balanciert durch eine labende Süße. Wacholder-Würze. Unkompliziert, macht einfach Spaß!

1993 Musigny Vieilles Vignes

Feinziseliert und elegant. Baumharz! Labend, aber schon sehr weich und milde. Knapp über dem Zenit.

1994 Musigny Vieilles Vignes

Der erste Eindruck ist verhaltene Würze. Die Frucht ist zart verdeckt (himbeerig). Leichte Rösttöne. Relativ dichter Trinkfluss, Tannine allerdings zu adstringierend (unreif).

1995 Musigny Vieilles Vignes

Elegant und wirklich fein. Wieder Baumharz! Pflaumen-Würze. Wirkt fast wie ein großer Pomerol. Schöne, weiche Balance, dabei ausreichender Druck.

1996 Musigny Vieilles Vignes

Tannine und Säure stringent und kräftig. Trotzdem noch eine gewisse Balance, dabei saftig. Sauerkirschig und weichselig.

1998 Musigny Vieilles Vignes
Dicht, süß, erdbeerig. Sehr viskos wenn man will, sogar sanft likörig. Integrierte Röstaromen. Labend.

1999 Musigny Vieilles Vignes
Selchige, aber integrative Würze. Bietet olfaktorisch aber für mich nicht genug Komplexität. Dafür am Gaumen sehr mürbe und salzig. Guter Trinkfluss.

2000 Musigny Vieilles Vignes

Probe September 2016: Marmeladig, sahnig, schokoladig, saftig, süffig. Frucht etwas verwaschen. In seiner Süße beeindruckend, wenn auch die große Eleganz fehlt.
Probe Oktober 2015: Diese Flasche wirkte schwächer als die obige. Malolaktisch. Heidelbeerig. Sonst ähnliche Struktur.

2001 Musigny Vieilles Vignes
Wirkt etwas „rustikal“! Die Frucht (Himbeere, floral unterlegt) ist zwar präsent, sonst aber nicht allzu differenziert.

BONNES-MARES GRAND CRU TEIL 1 – Domaine Comte Georges de Vogüé

1985 Bonnes-Mares Grand Cru
Labende Süße nach Marzipan und Schokolade. Trotzdem Säurerückgrat. Sauerkirsche. Opulenz und mürbe Reife. Großartig.

1996 Bonnes-Mares Grand Cru
Die einzige von fünf an diesem Abend geöffneten Gottardi-Flaschen (!), die perfekt war. Ein tolles Zusammenspiel zwischen rotbeeriger Frucht und Würze im Hintergrund: beinahe schon harzig. Sehr animierend. Gelang meines Erachtens ausnahmsweise besser als der „große Musigny-Bruder“.

1997 Bonnes-Mares Grand Cru
Einige Flaschen fehlerhaft.

1999 Bonnes-Mares Grand Cru
Erste Flasche fehlerhaft. Zweite Flasche: weichselig, marzipanig. Für mich etwas zu wenig präzise. Leichter Selch-Ton. Nach Meinung einiger Experten zu jung. Wird der Selch-Ton noch „weggehen“? Ich bezweifle das. In dieser Verfassung gefällig, aber nicht sehr groß.

TEIL 2 – Andere Weingüter

Dominique Laurent – 1996 Bonnes-Mares
Herausragend elegant: Minze! Bereits reif und trinkfertig. Optimale Tanninstruktur. Edel und elegant, perfekter Trinkfluss. Wow!

Domaine Robert Groffier Père & Fils – 1997 Bonnes-Mares Grand Cru
Sehr würziges Flair. Bereits sehr weich. Die Frucht ist etwas verhalten. Sehr viel Blutorange. Merkbare Säure, aber in guter Einbindung. Gewinnt mit Oxidation. Angeblich bei der Nachverkostung am Folgetag noch viel besser!

Girardin – 1999 Bonnes-Mares Grand Cru
Wirklich ein sexy Wein. Ein Mitverkoster: „Der Wein schreit: ‚Nimm mich!‘.“ Pralle Kirsch-Frucht. Mürber integrativer Würzton. Geranien-Würze. Schwarzkümmel. Weit gefächert und komplex!

Domaine Robert Groffier Père & Fils – 1999 Bonnes-Mares Grand Cru
Unfassbar klare und präzise Frucht für das Alter: brillante Himbeere. Unterlegt mit einem Hauch von passenden Citrus-Aromen und Orangenblüten. Klarheit. pur. Holz sehr gut verarbeitet. In der Struktur passt alles perfekt: Tannine, Säure, meisterhaft.

Domaine de la Vougeraie – 1999 Bonnes-Mares Grand Cru
Schöne Röstaromen, Zedernholz, streng am Gaumen, stringent. Letztlich etwas zu „breit“ und undefiniert.

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